Nach den schockierenden Personal-Nachrichten für den FC Bayern brodelte es in Sportdirektor Christoph Freund auch mit ein paar Tagen Abstand noch. Während Trainer Vincent Kompany bereits seinen Plan ohne die verletzten Leistungsträger Manuel Neuer, Alphonso Davies und Dayot Upamecano schmiedete, übte Freund wegen des Kreuzbandrisses von Davies scharfe Kritik am kanadischen Fußball-Verband.
„Ich finde, das ist fahrlässig, nicht professionell“, empörte sich Freund über den Umgang der Nordamerikaner in der heiklen Causa. „Wir wollen es lückenlos aufklären.“ Der FC Bayern behält sich sogar „juristische Schritte“ gegen den kanadischen Verband vor, der die schwerwiegende Knie-Verletzung vor dem interkontinentalen Flug des Außenverteidigers nicht diagnostiziert hatte.
Außer Davies werden den Bayern in den entscheidenden Wochen Kapitän Neuer, Verteidiger Upamecano und weiter auch Aleksandar Pavlovic (Pfeiffersches Drüsenfieber) mehr oder weniger lange fehlen. „Es ist wichtig, wie man auf solche Ausfälle reagiert. Es gibt für mich keine Ausreden“, sagte Kompany zum Bundesliga-Titelkampf mit dem Heimspiel gegen den FC St. Pauli am Samstag (15.30 Uhr/Sky) als Auftakt.
Neuer soll nach seinem Muskelfaserriss in der Wade im Idealfall schon im Viertelfinal-Duell in der Champions League am 8. und 16. April gegen Inter Mailand wieder dabei sein. Ob das wirklich klappt? Bei Upamecano äußerte Freund die Hoffnung, dass der Franzose nach einem Eingriff wegen freier Gelenkkörper im Knie in der Schlussphase der Saison noch mitwirken kann. „Wir sind in einer Position, wo es keine Chance gibt, einen Schritt zurück zu machen. Wir werden alles tun, um unsere Ziele zu erreichen“, sagte Kompany.
An einem turbulenten Bayern-Tag mit Davies-Ärger, Spekulationen um das Karriereende von Thomas Müller am Saisonende und Gerüchten über ein Münchner Interesse an Österreichs Teamchef Ralf Rangnick schlug Kompany in der Pressekonferenz gegen Ende vor, doch auch eine Frage zum FC St. Pauli zu stellen. Zumal das Meisterrennen gegen Doublesieger Leverkusen nach den jüngsten Punktverlusten der Münchner gegen den VfL Bochum (2:3) und Union Berlin (1:1) wieder etwas an Spannung gewonnen hat.
„Die Mentalität von uns ist, dass wir gleich viele Punkte haben“, sagte Kompany. „Das Beste ist, dass du alles auf null setzt und davon ausgehst, dass Leverkusen acht Spiele gewinnt. Dann musst du auch acht Spiele gewinnen. Das muss unsere Mentalität für die letzten Spiele sein.“
Der seit dieser Woche 39-jährige Neuer wird dabei weiter von Winter-Neuzugang Jonas Urbig (21) vertreten. Das Torwartjuwel ist nach seiner Fußverletzung bei der U21 wieder einsatzbereit. Links hinten ist Raphaël Guerreiro Backup für Davies. In der Abwehrmitte ist Minjae Kim wieder fit, für Upamecano dürfte Eric Dier zum Einsatz kommen. Der Engländer verhandelt wie Club-Ikone Müller und Flügelspieler Leroy Sané über eine Verlängerung des Engagements über das Saisonende hinaus.
„Wir befinden uns in Gesprächen mit Thomas Müller, Leroy Sané und Eric Dier. Wenn es etwas zu berichten gibt, werden wir das tun“, sagte Freund. Müller ist seit dem 1. Juli 2000 beim FC Bayern. Durch seine weit über 700 Pflichtspiele für die Münchner ist er der Rekordspieler des Clubs.
Der 35-Jährige genießt in Verein und Fankreisen einen besonderen Stellenwert. In seine Zukunftsfrage spielt auch hinein, ob und wie es nach der Profi-Karriere beim FC Bayern weitergehen könnte. Laut „Bild“ geht die Tendenz dahin, dass am Saisonende Schluss ist.
„Über Details oder Inhalte“ spreche man wie gewohnt nicht, sagte Freund. Der FC Bayern hatte zunächst die Zukunft seiner Schlüsselspieler geklärt. Die Münchner verlängerten die Verträge mit Joshua Kimmich, Jamal Musiala und Davies bis 2030, Kapitän Neuer bleibt bis 2026.
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